Kinobesuch in luftiger Höhe – Meran 2011

Im Zeichen vieler Downhill-Erlebnisse stand die 6-Tages-Fahrt der Betreuer der Mountainbike-Kids des TV Redwitz, die nach Meran ins Herzen Südtirols führte. Über Brenner und Jaufenpass erreichten Heiko Wagner, Thomas Wendrich, Michael Bernert, Jürgen Gäbelein sowie Anita und Martin Paulusch gegen Mittag die Unterkunft in Meran. Der verbleibende Nachmittag nutzten die sechs Mountainbiker zu einer ersten Eingewöhnungstour in den Hausbergen von Meran. Durch Apfelplantagen und Weinberge erreichte man den Vorort Lana, von wo die Vigiljoch-Seilbahn genutzt wurde. An der Bergstation angekommen, mussten noch einige Höhenmeter bis zum Vigiljoch bewältigt werden. Nach kurzer Einkehr bei Cappuccino und südtiroler Kaiserschmarrn wurde die Abfahrt nach Meran in Angriff genommen. Schnell zeigte sich, was die Redwitzer in den nächsten Tagen an den steilen Bergflanken rund um Meran und im Vinschgau erwarten wird. Die gewählte Downhill-Route führte über schmale Wanderwege, gespickt mit Wurzeln und Absätzen, steil aber durchweg fahrbar hinab nach Marling. Herrliche Ausblicke auf das Meraner Becken bot die Fahrt entlang des Marlinger Höhenwegs ehe es die letzten Höhenmeter zurück nach Meran ging.

Für den zweiten Tag hatte man eine Tour im Vinschgau ausgewählt, die herrliche Trailpassagen versprach. Die Anfahrt führte zunächst auf dem Vinschgauradweg entlang der Etsch über 40 km stetig leicht bergauf nach Schlanders. Von dort wurden über eine Asphaltstraße am Nordhang rasch 800 Hm bis zum Forsthaus oberhalb von Covelano erklommen. Nach kurzer Stärkung machten sich die sechs Biker erwartungsvoll zurück auf den Weg ins Tal. Zunächst führte die Abfahrt über einen steilen und technisch anspruchsvollen Wanderweg zügig bergab. Auf halber Höhe bog man dann auf einen Wanderpfad ab, der sich auf mehreren hundert Metern immer leicht abfallend am Berghang entlang durch den Wald schlängelte. Schließlich wurde es nochmals steil und kurvenreich ehe die Ortschaft Morter im Vinschgau erreicht wurde. Durch die lange Rückfahrt auf dem Vinschgauradweg nach Meran zeigte der Tacho am Abend fast 100 km an.

Am darauf folgenden Tag wurde beschlossen gleich nochmals ins Vinschgau zu fahren, um eine weitere Trailtour, diesmal an den sonnigen Südhängen, in Angriff zu nehmen. Um die lange Anfahrt nach Latsch abzukürzen nahm man die Vinschgaubahn. Von Kastellbell zog dann eine steile Asphaltstraße über 1000 Hm hinauf nach St. Martin. Ein im oberen Teil anspruchsvoller und mit zahllosen Steinstufen versehener Wanderweg führte hinunter in Richtung Goldrain. Am Sonnenhang stießen die Mountainbiker dann auf den Goldrainer Höhenweg, einen schmalen Fußpfad, der sich nahezu ohne Hindernisse kilometerlang durch die Wiesen oberhalb von Goldrain schlängelte. Ein wunderschönes Erlebnis, bei dem man das Bike so richtig laufen lassen konnte und dabei die herrliche Aussicht ins Vinschgau und die Bergwelt genoß.

Am vierten Tag nutzten die Redwitzer wiederum die Seilbahn für die Auffahrt ins Skigebiet Meran 2000. Von der Bergstation führte der Weg über die Meraner Hütte zunächst hinauf zum Kreuzjoch. Oberhalb der Baumgrenze konnte man entlang des folgenden Höhenwegs einen herrlichen Rundumblick von den Dolomitenregionen Seiser Alm und Rosengarten über den Brenta- und Adamellobergstock bis hin zum Ortler genießen. Nach kurzem Anstieg wurde das Steinerne Mandl erreicht, ein Aussichtspunkt, an dem mehr als 700 steinerne Mandl aufgetürmt stehen. Einheimischen Erzählungen zu Folge geht das Errichten der Steintürmchen an diesem mystischen Ort auf einen Brauch zurück um damit unbeliebte Ortsbewohner zu vertreiben. Über die Berghütte Moltener Kaser führte die Downhillroute nach Aschl und zur Leadner Alm. Ein leicht ansteigender und extrem wurzelreicher Wanderweg forderte einiges technisches Fahrvermögen ab, ehe auf einer Höhe von 1.465 m das eigentliche Highlight des Tages erreicht wurde, das Knottnkino. Mit „Knottn“ meinen die Südtiroler Felsen und so wurde dieses Open-Air Kino direkt auf dem Rotsteinkogel errichtet. Von den Kinosesseln aus Stahl und Kastanienholz wird der Ausblick auf das Etschtal und die Texelgruppe, dem Penegal und weiter bis zum Weißhorn zum echten Naturerlebnis.

Nur schweren Herzens konnten sich die sechs Mountainbiker von dem nie enden wollenden Kinofilm trennen, doch erwartete sie noch ein langer und anspruchsvoller Downhill über 1.100 Hm hinunter nach Meran. Ein alter, teilweise mit Natursteinen befestigter Karrenweg führte steil und kurvenreich bergab und forderte insbesondere viel Fingerspitzengefühl im Umgang mit den Bremsen, eine echte Herausforderung für Biker und Bike.

Das Passertal war Ziel des folgenden Tages. Zunächst führte die Route auf dem Radweg entlang der Passer einige Kilometer leicht bergan. Ab Riffian wurden dann die 800 Hm hinauf nach Vernur gemeistert. Von dort folgte man dem Meraner Höhenweg mit herrlichen Ausblicken in die Bergwelt rund um Meran und gelangte schließlich auf einer Schotterabfahrt in den bekannten Ausflugsort Dorftirol. Hier musste natürlich eine touristische Pause eingelegt werden und so gönnte man sich mehrere Kugeln Eis. Die letzten Höhenmeter hinunter nach Meran führten auf herrlichen Wegen durch die schier endlosen Wein- und Apfelanlagen.

Schneller als erhofft war der Abreisetag gekommen. Doch bevor man sich auf die Autobahn nach Norden machte, folgte noch ein Abstecher nach Bozen, um einen letzten Downhill-Trail in Angriff zu nehmen. Mit der Seilbahn erreichte man rasch das Ausflugsziel Oberbozen. Vorbei an der Wahlfahrtskirche Maria Himmelfahrt führte der Wanderweg über knapp 1.000 Hm zurück hinunter nach Meran. Die Abfahrt forderte der Konzentration und dem Material noch einmal alles ab. Glücklich und zufrieden erreichten alle wohlbehalten wieder Bozen, wo bei der abschließenden Pizza bereits über den nächsten Jahresausflug fachgesimpelt wurde.