Sella Ronda – Wolkenstein 2012

Die Sella Ronda ist vielen Skifahrern ein Begriff. In den Sommermonaten ist die Umrundung des Sella-Bergstockes in Südtirol mittlerweile auch bei Mountainbikern populär. So zog es die Betreuer der Mountainbike-Kids des Turnvereins Redwitz in diesem Jahr in das Herz der Dolomiten, um diese Herausforderung anzugehen. Wolkenstein im Grödnertal wurde an den sechs Tagen als fester Ausgangspunkt gewählt für die Touren in die Region rund um Sellastock und Seiser Alm. Am frühen Freitag Morgen starteten die sechs Redwitzer Mountainbiker Anita und Martin Paulusch, Jürgen Gäbelein, Heiko Wagner, Thomas Wendrich  und Harald Heinel in Richtung Südtirol. Eigentlich wollte man zu siebt auf Tour gehen, doch Anfang der Woche musste ausgerechnet Tourorganisator Michael Bernert seine Teilnahme krankheitsbedingt absagen. Dennoch  wurde beschlossen, die Urlaubstage zu sechst anzugehen und in den folgenden Tagen sollte sich seine wieder mal perfekt vorbereitete Reiseplanung mehrfach unter Beweis stellen.

In LaSelva, einem Ortsteil von Wolkenstein angekommen war rasch Quartier bezogen und am Nachmittag konnte noch zu einer kleinen Eingewöhnungsrunde auf den Monte Pana gestartet werden. Von dort ging es am Fuße des Langkofelmassivs weiter stetig bergauf. Ein schöner Downhill auf schmalem Wanderweg führte zurück zur Unterkunft und verkündete einen Vorgeschmack auf die folgenden Tage.

Seiser Alm, Sellajoch und die Steinerne Stadt waren das Ziel der ersten Tagestour. Um ein paar eher langweilige Höhenmeter zu sparen, wurde von St. Ullrich aus die Seilbahn bemüht und so war die Seiser Alm schnell erreicht. Auf herrlichen Trails und Wanderwegen wurde die Alm durchquert und dabei so mancher Höhenmeter unter die Stollen genommen. Vorbei an der Mahlknechthütte führte die Route hinauf zum Mahlknechtjoch. Dort begann dann das Highlight des ersten Tages, der Panoramaweg hinüber zur Plattkofelhütte. Der fast durchgängig fahrbare Wanderweg schlängelte sich am Berghang entlang und eröffnete zu beiden Seiten herrliche Ausblicke. Zur rechten lagen Marmolada und Rosengarten, auf der linken Seite schweifte der Blick stets über die Weiten der Seiser Alm. Die auf 2297 m gelegene Plattkofelhütte lud die Biker zur Einkehr ein bevor die Tour auf dem Friedrich-August-Weg ihre Fortsetzung fand. Dieser erwies sich als technisch anspruchsvoll und war teilweise unfahrbar, sodass man zufrieden war, als der Endpunkt am Sellajoch erreicht war. Von dort waren nochmals einige Höhenmeter zu bewältigen, die durch die beeindruckenden Felsformationen der Steinernen Stadt führten. Die Abfahrt zurück nach La Selva war dann mit einigen technischen Passagen gespickt, in denen jeder in der Gruppe seine persönliche Herausforderung finden konnte.

Der folgende Tag führte die Redwitzer Mountainbiker auf die andere Seite des Grödnertales. Wiederum von St. Ullrich aus wurde die neue Standseilbahn nach Raschötz genutzt. Auf einem ansteigenden Höhenweg mit herrlichen Ausblicken auf die gegenüber liegende Seiser Alm erfolgte zunächst ein Abstecher zum Aussichtspunkt Heiligkreuz. Von dort eröffnete sich ein imposanter Tiefblick nach Kastelruth und weiter bis ins Bozener Becken. Ein herrlicher Trail führte vom Gipfelkreuz zurück auf den Grödner Höhenweg, dem man bis zur Brogleshütte folgte. Nicht zu viel versprochen wurde im Vorfeld über die anschließende Single-Trail-Passage, die zu den schönsten Trail-Abfahrten Europas gezählt wird. Traumhaft schlängelte sich der Weg auf einem bewaldeten Bergrücken das Cuecena-Tal hinab. Endpunkt war die Mittelstation der Bergbahn zur Seceda, dem nächsten Tagesziel. Hier galt es zu entscheiden, die folgenden 700 Höhenmeter mit der Bahn zurück zu legen, oder diese mit dem Mountainbike anzugehen. Im Hinblick auf die noch folgenden anstrengenden Tage entschloss sich ein Teil der Gruppe, die „Aufstiegshilfe“ in Anspruch zu nehmen, während die anderen sich an die schweißtreibende Auffahrt machten. Anfangs noch fahrbar führte der Schotterweg auf einer Skipiste sehr steil bergauf. Der lose Untergrund forderte den Bikern alles ab, sodass ein Großteil der Wegstrecke nur noch schiebend zurückzulegen war. Nach gut eineinhalb Stunden hatte man die Strapazen des Aufstiegs hinter sich gebracht und freute sich über die herrlichen Ausblicke von der Seceda auf 2450m. Gemeinsam wurde dann die Abfahrt angegangen, die wiederum auf herrlichen Trails und Wanderwegen über Col Raiser und Regensburger Hütte hinunter nach Wolkenstein führte.

Mit dem Auto fuhr die Redwitzer Gruppe am nächsten Morgen nach Bruneck im Pustertal um von dort mit den Mountainbikes die Auffahrt auf den Kronplatz in Angriff zu nehmen. Die Route führte über Olang und den Furkelpass über gut 1300 Hm hinauf zum Kronplatz. Vom Gipfelplateau erschließt sich ein herrlicher Rundumblick, insofern man die zahlreichen Liftanlagen, die den Berg von allen Seiten erschließen, außer Acht lässt. Nach kurzer Einkehr führte eine schier endlose Abfahrt zurück nach Bruneck. Schmale, mit Wurzeln gespickte Trailpassagen wechselten sich mit Wiesentrails, Schotterwegen und technisch anspruchsvollen Abschnitten ab. Fast zwei Stunden Abfahrt entschädigten für die Strapazen der langen Auffahrt.

Für die beiden Abschlusstage stand dann die Umrundung des Sella-Bergstocks auf einer Route der bekannten Sella Ronda an. Der Start erfolgte am Grödner Joch von wo zunächst eine Trailabfahrt hinunter nach Corvara führte. Von dort wurde über eine Schotterauffahrt das Skigebiet von Alta Badia erreicht. Überhaupt sollten unzählige Liftanlagen, die immer entlegenere Berghänge für den Skitourismus erschließen, die steten Begleiter an den beiden Tagen sein. Über einen herrlichen Höhenweg und eine anschließende Trailpassage gelangte man zur Passhöhe des Campolongo, von wo ein Downhill entlang der Passtraße hinunter in das Städtchen Arabba führte. Rasch war das in einem Seitental gelegene Örtchen Ornella erreicht. Dort begann dann der härteste Teil der zweitägigen Sella-Umrundung. Ein steiler Forstweg, mit lockerem, steinigen Untergrund forderte den Bikern alles ab. Ein großer Teil der 800 Hm war nur im Schieben zu bewältigen. Gerade rechtzeitig war auf 2100 m ein Heuschober erreicht, in dem man sich vor dem hereinbrechenden Regenschauer unterstellen konnte. Anschließend wurde das Skigebiet von Arabba durchquert, in dem nochmals 300 Hm zu bewältigen waren, ehe auf 2478 m der höchste Punkt des Tages erreicht war. Nun folgte die letzte und schönste Passage des Tages entlang des bekannten Bindelweges.  Dieser schlängelte sich abenteuerlich schmal in leichtem Auf und Ab am Berghang entlang bis zur auf 2432 m gelegenen Bindelweghütte, dem Tagesziel. Der Ausblick auf den gegenüberliegenden Marmoladagletscher und die Tiefblicke auf Canazei und den Fedaia-Stausee ließen die zurückliegenden Strapazen schnell vergessen.

Nach einem zünftigen Hüttenabend auf der Bindelweghütte wurde die Sella-Umrundung am folgenden Tag fortgesetzt. Der zweite Teil des Bindelwegs brachte die Mountainbiker zum Pordoijoch von wo es über einen anspruchsvollen Downhill-Trail entlang der Passstraße hinunter nach Canazei und weiter nach Campitello di Fassa ging. Dort bog man ins herrlich gelegene Val Duron ein. Auf breitem Wanderweg ließ es sich genüsslich über mehrere hundert Höhenmeter bergauf radeln bis das Mahlknechtjoch erklommen war, der Passübergang zur Seiser Alm. Die Route setzte sich auf herrlichen Höhenwegen fort und über eine Skiabfahrt wurde Saltria im hinteren Teil der Seiser Alm erreicht. Über Monte Pana gelangte die Gruppe zurück nach Wolkenstein.

Dort angekommen hieß es auch schon gleich Räder und Ausrüstung verstauen und die Heimreise antreten. Selbst ein Kettenriss, ein Plattfuss und ein paar leichte Blessuren an Armen und Beinen konnten die Begeisterung für die atemberaubende Dolomitenlandschaft nicht trüben. Viel zu schnell waren sechs erlebnisreiche Tage in den Dolomiten vergangen.